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Historische Entwicklung

Synchronschwimmen heute

Synchronschwimmen ist eine Sportart, die einen voll durchtrainierten, beweglichen Körper verlangt. An die Aktiven werden hohe Anforderungen gestellt, die Unterwasserphasen während Pflicht- und Kürelementen können schnell eine Minute und länger dauern. Neben Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Konzentrationsfähigkeit sind auch ein gutes Musikgehör, Kreativität, Grazie und Ausdrucksvermögen wichtig. Eine gute Synchronschwimmerin zeichnet sich zudem durch Anpassungsfähigkeit und Teamgeist aus.

Was so leicht und spielerisch aussieht, erfordert jahrelangen Aufbau und hartes Training bestehend aus Wassertraining (Konditionstraining, Kür-, und Pflichttraining) und Landtraining (Krafttraining, Joggen, Trockenübungen, Ballet/Tanz und Streching).Ohne Ehrgeiz und eisernen Willen, ohne hartes und richtiges Training ist auch im Synchronschwimmen kein Blumentopf zu gewinnen. Im Sport führende Nationen wie Russland, USA, Kanada und Japan trainieren etwa vier bis acht Stunden pro Tag.

In den letzten Jahren ist das Synchronschwimmen immer bekannter und beliebter geworden. An Olympiaden und großen Sportanlässen sind die Synchro-Wettkämpfe heiss begehrt und die Stadien im Nu ausverkauft. Auch Showaufführungen begeistern eine immer größer werdende Fangemeinde. Das wohl erfolgreichste Beispiel ist das von Cirque du Soleil inszenierte Wasserspektakel "O" (phonetisch für "Eau," das französische Wort für "Wasser"), das in Las Vegas zweimal täglich Hunderte von Zuschauern anlockt. Ein internationales Ensemble mit über 80 Mitwirkenden zeigt artistische Höchstleistungen in einem riesigen Wasserbecken, das 5,7 Millionen Liter fasst, 7.5 Meter tief ist und 45 x 30 Meter misst. Die Choreographie des Synchronschwimm-Teams steht unter der Regie der kanadischen Olympia-Siegerin Sylvie Frechette.

Synchronschwimmen wird auch in der Werbung und in Musikvideos gern verwendet. Vor ein paar Jahren hat die Crossover-Band Red Hot Chili Peppers in ihrem Musikvideo zu "Aeroplane" das Kunstschwimmen der 50er Jahre wieder entdeckt. In goldenen Anzügen spielen sie ihre Instrumente und im Vordergrund springen Frauen ins Wasser, schwimmen und schaukeln durch die Luft, So wie man es aus den glamourösen Esther Williams Filmen kennt.
Leider muss die junge Sportart oft belächelnde und spöttische Kommentare über sich ergehen lassen. Dass das Synchronschwimmen nur aus bis über beide Ohren grinsenden und geschminkten Diven mit Nasenklammern im Gesicht besteht, ist bedauerlicherweise eine immer noch weit verbreitete Meinung.

Warum Synchronschwimmen?

  • Synchronschwimmen hält den Körper fit und beweglich. Ein durchtrainierter Körper ist im Berufs- und Alltagsleben leistungsfähiger und schützt vor Krankheiten und Verletzungen.
  • Synchronschwimmen hält geistig fit – das Einstudieren der Küren schult das Gedächtnis und die raschen Bewegungen und komplizierten Kombinationen trainieren Körperbewusstsein, Konzentrations-, Auffassungs- und Reaktionsvermögen.
  • Synchronschwimmen entfaltet künstlerische Fähigkeiten, fördert Ausdruckskraft, Musikalität und Kreativität und weckt schlummernde schauspielerische Fähigkeiten.
  • Synchronschwimmen ist abwechslungsreich. Kür, Pflicht, Technik, Kondition, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Rhythmikgefühl und Ausdruckskraft sind wichtige Bestandteile der Trainings.
  • Synchronschwimmen stärkt das Selbstbewusstsein. Das Auftreten vor Publikum lehrt, Unsicherheiten zu überwinden und Nervosität und Druck standzuhalten.
  • Synchronschwimmen als Mannschaftssport lehrt Teamgeist, Solidarität, Rücksichtsnahme, Verantwortungsbewusstsein, Fairness und Respekt.
  • Synchronschwimmen als Spitzensport stärkt Leistungswille, Kampfgeist, Durchsetzungsvermögen, Belastbarkeit und sicheres Auftreten.
  • Synchronschwimmen schafft Freundschaften – im Club, in der Region, landes- und weltweit.
  • Synchronschwimmen ermöglicht bei Höchstleistungen das Reisen in fremde Länder und Auslandaufenthalte.

Quelle: www.welt-des-sports.com

Historische Entwicklung des Synchronschwimmens

National

Das Synchronschwimmen hat in Deutschland heute den Stellenwert einer "Frauensportart". Dabei entstand diese Sportart zu einer Zeit, in der es Frauen überhaupt nicht gestattet war, sich sportlich zu betätigen. Das Synchronschwimmen wurde ursprünglich von Männern erfunden.

"Das schönste Schauspiel ist es für Zuschauer, wenn sie Jünglinge und Männer im Spiegel des Wassers sich üben und in mannigfaltigsten bildlichen Kunstfiguren sich gruppieren sehen." (Karl Heinitz 1816)

Das Synchronschwimmen in Form dieses "Reigenschwimmens" ist genauso alt wie das Wettkampfschwimmen ("Schnellschwimmen"), brachte aber mehr als ein halbes Jahrhundert, um als Wettkampfsport anerkannt zu werden. Erste Wettkämpfe fanden 1891 in Berlin und 1892 in London statt. Wobei hier nur Männer teilnehmen durften. Der erste Versuch, auch Frauen zu unterrichten, löste einen Beschwerdebrief an den Deutsche Schwimmverband (DSV) aus:

"Man hat es sogar gewagt, für das Damenschwimmen eine Lanze einzulegen! Dagegen protestieren wir deutschen Schwimmer. Noch sind wir nicht derartig entnervt, um uns durch solch sinnliche Köder einfangen zu lassen." (DSV Buch)

1907 veranstaltete der Damenschwimmverein München das erste Schauschwimmen der Frauen, das jedoch nur vor geladenen Gästen und hinter verschlossenen Türen stattfand. Als sich aus dem "Reigenschwimmen" das wettkampforientierte "Kunstschwimmen" entwickelte, waren Frauen aufgrund ihrer günstigeren Gewichtsverteilung besser geeignet. Männer hatten meist mit untergehenden Beinen zu kämpfen und wurden daher nach und nach aus dieser Sportart verdrängt.

1921 wurden in Leipzig die Deutschen Meisterschaften im (Schnell-) Schwimmen mit dem Figurenlegen der Frauen eröffnet. Hier durften sich die Frauen zum ersten Mal öffentlich präsentieren.

International

Erste Hinweise zum Ursprung des Synchronschwimmens liefert die griechische und römische Geschichtsschreibung. In bildreicher Sprache beschreibt Martial eine Vorführung der Antike:

"Ein Nereidenreigen zeigt in gefälliger Flut einen mit geradem Zahn drohenden Dreizack, einen Anker. Man sieht ein Schiff, glaubt Ruder zu sehen und des Lakoner Gestirns willkommenes Licht."

Wie der Sporthistoriker Erwin Mehl herausfand, fluteten die Römer ihre Amphitheater, um einer großen Zuschauermenge den Genuß einer solchen Darbietung zu ermöglichen. Da die Schwimmerinnen nicht bekleidet waren, nahm mit zunehmender Verbreitung des Christentums die Kritik an solchen Schauschwimmen zu. Im Mittelalter gerieten sie dann in völlige Vergessenheit.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird das Synchronschwimmen in Form des Reigenschwimmens wieder bekannt. Zu dieser Zeit ein reiner Männersport, dürfen Frauen das Reigenschwimmen, typischerweise im Bruststil, nur heimlich ausüben. In einer Zeitschrift aus dem Jahre 1816 schreibt Karl Heinitz:

"Das schönste Schauspiel ist es für Zuschauer, wenn sie Jünglinge und Männer im Spiegel des Wassers sich üben und in mannigfaltigsten bildlichen Kunstfiguren sich gruppieren sehen."

Erste, nach festen Regeln ablaufende Wettkämpfe finden 1891 in Berlin und 1892 in London statt, wobei auch hier nur Männer teilnehmen dürfen. Als sich das Reigenschwimmen aber zum Figurenlegen entwickelt, sind Frauen aufgrund ihrer günstigeren Gewichtsverteilung im Vorteil. Männer, meist mit untergehenden Beinen kämpfend, werden daher nach und nach aus dieser Sportart verdrängt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden in England, Kanada, Holland, Deutschland und Frankreich Meisterschaften im "Scientific and Ornamental Swimming" durchgeführt. Dabei zeigen die Schwimmerinnen bewegte oder unbewegte Bilder (geometrische Figuren und Ornamente). Musik dient dabei zur Untermalung und der Bilderwechsel wird durch Handzeichen am Beckenrand angezeigt.

1907 tritt die australische Wettkampfschwimmerin Annette Kellerman im New Yorker Hippodrome als tanzende Meerjungfrau in einem mit Wasser gefüllten Glastank auf. Die Vorführungen der mehrfachen Meisterin über diverse Lang- und Kurzstrecken sind sehr beliebt. Bei einem dreimonatigen Engagement in Chicago wird sie zu 55 Shows pro Woche verpflichtet. Drei Jahre später wird die Trendsetterin und rebellische "unter Wasser Ballerina" in Boston Harbor verhaftet, da sie in einem freizügigen Einteiler für den damaligen Geschmack zu viel Bein zeigt. Diese Verhaftung macht sie aber nur noch berühmter, und sie erhält Engagements in der noch jungen Filmindustrie. In Neptune's Daughter (1914), A Daughter of the Gods (1916) und Queen of the Sea (1918) spielt sie die Hauptrolle.

Inspiriert durch Kellerman gründet Katherine "Kay" Curtis, eine ehemalige Turmspringerin und Turnerin, 1923 den ersten Wasserballett Club in Chicago. Die erste grosse Aufführung der "Modern Mermaids" findet 1934 im Rahmen der Weltausstellung in Chicago statt. 60 Schwimmerinnen nehmen daran teil und erobern das nationale und internationale Publikum im Sturm. In den Medien wird erstmals der Begriff "Synchronized Swimming" verwendet. Als der neue Sport immer beliebter wird, entwickelt Curtis erste Wettkampfregeln, die auf den Bewertungskriterien basieren, die sie aus der Gymnastik, dem Turmspringen und dem Eislaufen kennt. 1936 veröffentlicht Curtis das erste Buch zum Synchronschwimmen unter dem Titel Rythmic Swimming.

Kurze Zeit später kann das Synchronschwimmen durch die von Billy Rose inszenierte Aquacade an der Weltausstellung 1939 in New York einen ähnlichen Erfolg feiern. Für das Musical im Wasser werden über Hundert SchwimmerInnen, TurmspringerInnen und SängerInnen verpflichtet. Stars der aufwändigen Show mit spektakulären Spezialeffekten sind die Olympia-Schwimmerin Eleanor Holm und der Olympia-Schwimmer Johnny Weismuller.

Richtig bekannt wird diese neue Art zu Schwimmen in den 40er und 50er Jahren durch Esther Williams. Die dreifache US Meisterin (u.a. über 100 Meter Crawl) verzaubert in Aufführungen und einer Reihe von kitschig-klassischen MGM "aqua musicals" ihr Publikum. Die wichtigsten Erfolge feiert sie mit Bathing Beauty (1944), Neptune's Daughter (1949) und im Film Million Dollar Mermaid, in welchem sie Annette Kellerman portraitiert. Insgesamt tritt sie in 26 Filmen auf.

In den folgenden Jahren entwickelt sich das Figurenlegen zum Kunstschwimmen. Das Kunstschwimmen ist – wie der Name verrät – kunstfertiger als das reine Figurenlegen. Es wird mehr getaucht und schwierigere Übungen werden ausgeführt.

1945 werden für das Kunstschwimmen Wettkampfbestimmungen aufgestellt und 1946 findet dann auch der erste Wettkampf statt.Im Zuge der weltweiten Umstellung vom Figurenlegen zum Wettkampfsport, erkennt die FINA (Fédération Internationale de Natation Amateur) 1968 das Synchronschwimmen offiziell als vierte Sparte neben Wasserball, Schwimmen und Turmspringen an. 1973 finden die ersten Weltmeisterschaften und 1974 die ersten Europameisterschaften statt. Bei den olympischen Spielen 1984 in Los Angeles wird das Synchronschwimmen in den Disziplinen Solo und Duett eingeführt.

Ende der achziger Jahre vollzieht sich erneut ein Wandel. Die Übungen werden noch anspruchsvoller, es wird mehr gedreht und geschraubt, die Küren werden immer schneller und höher, die Arm- und Beinbewegungen immer komplizierter. Das Kunstschwimmen wird zum Synchronschwimmen.

In Atlanta 1996 wird die Gruppe als olympische Disziplin eingeführt, dafür muss aber wieder auf die Disziplinen Solo und Duett verzichtet werden. Seit Sydney 2000 sind die Disziplinen Gruppe und Duett zugelassen.

Um die Jahrtausendwende verdrängen die Russinnen die bis dahin führenden Nationen USA, Kanada und Japan. Mit spektakulären Hebefiguren, rasanten und originellen Arm- und Beinbewegungen und kreativen Formationsverschiebungen und Übergängen setzen sie einen vor allem im artistischen Bereich revolutionären Trend.

Heute zählen Russland, Japan, USA und Kanada zu den erfolgreichsten Nationen im Synchronschwimmen. In Europa sind Frankreich, Spanien und Italien den nördlichen Ländern voraus.

Zu den bisher erfolgreichsten Sychronschwimmerinnen gehören Carolyn Waldo (CAN) und Tracy Ruiz (USA) mit je zwei olympischen Goldmedaillen im Solo und Duett und Sylvie Frechette (CAN) mit zwei olympischen Goldmedaillen im Solo.

Inzwischen gibt es vereinzelt auch männliche Synchronschwimmer, die seit 1991 an nationalen Meisterschaften und Länderkämpfen zugelassen sind. Der Start auf Weltebene ist ihnen allerdings durch FINA-Regelungen noch untersagt. Bekanntester Vertreter der männlichen Synchronschwimmer ist Bill May.

Quelle: www.welt-des-sports.com

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